Mehr als zwei Seiten
Richtig und Falsch. Gut und böse. Links und Rechts. Freund und Feind.
Seit ein paar Wochen beschäftigt mich ein Gedanke:
Ich würde das Wort „christlich“ am liebsten aus unserer Bio streichen. Nicht, weil ich nicht mehr glaube, sondern weil ich das Gefühl habe, dass viele Menschen das Wort „christlich“ mit konservativen oder rechten Positionen verbinden und uns falsch verstehen und einordnen könnten.
Ich kann das auch gut nachvollziehen und hab diesen Gedankengang in anderen Kontexten selber auch. Ich sehe oder höre ein Wort oder einen Satz und mach mir ein Bild. Dann gibt es schnell zwei Seiten. Richtig und Falsch. Gut und böse. Links und Rechts. Freund und Feind. Dabei weiß ich eigentlich, dass die Welt selten so einfach ist und ich oft sogar Angst habe vor einer Zukunft, in der unsere Gesellschaft so stark zweigeteilt ist.
Immer dann, wenn wir sofort einsortieren, geht Mitgefühl verloren. Dabei ist es doch etwas Schönes, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen. Zu verstehen, was er oder sie fühlt. Persönliche Geschichten zu hören und andere Perspektiven kennenzulernen.
Und wie können wir noch miteinander über ein Thema sprechen und Argumente gegeneinander abwägen, wenn es von Anfang an nur eine richtige und eine falsche Seite gibt?
Menschen sind selten nur schwarz oder weiß. Zu manchen Themen haben wir gar keine Meinung, bei anderen eine sehr starke. Und manchmal ändern wir sie auch wieder. Meistens bewegen wir uns irgendwo dazwischen.
Vielleicht sollten wir deshalb auch mit dieser Spannung auskommen und das Wort „christlich“ in der Bio stehen lassen? Irgendwie ist es ja das woher wir kommen und was uns immernoch verbindet. Was denkt ihr?
~Luka
